Geschichte der Bestattung

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Toten bestattet. Die Geschichte der Bestattung hat ihren Ursprung in den vermutlich erstmals bewusst vorgenommenen Bestattungen in Israel vor ca. 120.000 Jahren. Auch in unseren Breitengraden gibt es eine Vielzahl von dokumentierten Bestattungsfunden der Neandertaler. Diese haben bereits ca. 70.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung ihre Verstorbenen in Gemeinschafts- und Familiengräbern beigesetzt.

Schon in der Antike sind aufwendige Beisetzungszeremonien und Ehrerbietungen dem Verstorbenen gegenüber belegt. Sie wurden auf eigens dafür angelegten Friedhöfen außerhalb der Städte bestattet. Den Hinterbliebenen galten die Rituale der Bestattung als höchste Pflicht, eine Vernachlässigung hingegen als Sünde gegen den Verstorbenen und die Götter.

Mit dem Aufkommen und Erstarken des Christentums wuchs der Wunsch der Menschen, auch im Tode nah bei den Heiligen und Reliquien und also der Kirchen zu sein, was zur Bildung innerstädtischer Friedhöfe führte. Die ständigen Kriege des Mittelalters und die damit einhergehenden Pest- und Choleraepidemien führten zu einer Überfüllung der sogenannten Kirchhöfe und zu katastrophalen hygienischen Zuständen, auch in den Städten.

Im 16. Jahrhundert verlor im Zuge der Reformation die Nähe zu Heiligen im Tode an Bedeutung und viele Friedhöfe wurden an die Stadtränder oder nach außerhalb der Stadtmauern verlagert. Für die Protestanten standen nicht allein die Verstorbenen im Mittelpunkt einer Bestattung, sondern in Einheit mit den Hinterbliebenen, auf die die Trauerfeier ausgerichtet wurde.

Die Aufklärung schließlich führte zu einer Verweltlichung der bis dahin streng religiös geprägten Bestattungsrituale.

Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts kristallisierte sich erstmals aus Schreinern, die bis dato lediglich den Sarg fertigten, und Fuhrmännern, die für den Transport zum Friedhof verantwortlich waren, ein neuer Berufsstand heraus. Diese ersten Bestattungsunternehmer übernahmen gegen Bezahlung die Organisation und Durchführung von Beerdigungen, die bislang von mehreren Personen in ehrenamtlichen Einzeltätigkeiten ausgeführt wurden. Was Schreiner- und Fuhrbetriebe vorher im Nebengeschäft besorgt hatten, führte um 1870 zur Gründung erster privater Bestattungsunternehmen. 1885 schloss sich der erste „Verband der Großberliner Sargtischlermeister und Inhaber von Bestattungsinstituten“ zusammen. Kurz darauf folgten Zusammenschlüsse und Gründungen der Landesverbände.

Für die Entwicklung dieses neuen Gewerbezweiges spielten die industrielle Herstellungsmöglichkeit von Särgen, immer zeit- und kostenintensivere Leichentransporte sowie die wachsende Nachfrage nach weiteren neuen Dienstleistungen eine entscheidende Rolle. Allmählich übernahmen die Bestattungsunternehmen neben der logistischen Abwicklung einer Beisetzung auch Aufgaben mit zeremonieller Funktion, die zuvor vor allem die Kirche ausgeübt hatte.

Seit 1957 gibt es den „Bundesverband des deutschen Bestattungsgewerbes“, in dem vier Fünftel der Bestattungsbetriebe zusammengeschlossen sind.